Mitgliederschwund auch bei 1865
 
TSV-Chef Richard Reisböck bilanziert und wird wiedergewählt
 
Richard Reisböck machte etwas vor, was seine Ehrengäste, OB Kurt Piller und Herausforderer Peter Bürgel, am Freitag Abend wohl neidisch werden ließ: Der Vereinschef des TSV 1865 Dachau, seit genau zehn Jahren in Amt und Würden, wurde auf der Jahreshauptversammlung des Vereins einstimmig wiedergewählt. Reisbocks Resümee fiel überwiegend positiv aus trotz des zu verzeichnenden Mitgliederschwunds.
1716 Mitglieder, das war zuletzt der Stand des Dachauer Tradition s Vereins. Wie die meisten Sportvereine bleibt auch 1865 nicht von sinkenden Mitgliederzahlen verschont. Die magische Zahl von 1800 Mitgliedern konnte nicht mehr gehalten werden, wie Reisböck bedauert. Dabei traten 2001 sogar mehr Leute in den TSV ein (285), als aus (268). Das lag wohl auch daran, dass mit den Baseballern im September eine neue Abteilung hinzugekommen ist, elf hat der Verein nun an der Zahl. Die Abteilungen bekamen vom Vereinschef ein dickes Lob, dass sie den strengen Sparkurs des Vereins so konsequent mitgegangen seien.

Trotz Sparkurs sportliche Glanztaten
 
Bei aller Breitensport-Orientierung freute es Reisböck natürlich, auch über sportliche Glanztaten berichten zu können. Allen voran steht das Euroteam der Turnabteilung mit der deutschen Meisterin Kathi Doppler. Aber auch Bogenschütze Jan Mordhorst vertrat die 65er Farben als deutscher Meister bundesweit prächtig. Die Tischtennisspieler Hans Blum und Reinhard Kraincq, die Basketball-Herren, die mit eigenen Leuten und ohne Ausländer erneut die 1. Regionalliga halten konnten, sowie die Fußballer, die „nicht mit Abzockern, sondern mit jungen Talenten" 'in der Bezirksliga oben mitmischen, betonte Reisböck angesichts dieser Auflistung. "Sportlich gesehen, ist die Welt bei uns noch in Ordnung".
 
Finanziell steht es auch nicht mehr so schlecht, wie wenig später Schatzmeister Michael Sers vermelden konnte. Man habe das „Klassenziel erreicht", gar einen Überschuss von 70 000 Mark erwirtschaftet, und das trotz einer Großsanierung der Jahnhalle und allgemein rückläufiger Einnahmen. Da einige zugesagte Zuschüsse eingetroffen seien, habe man auch die langfristigen Verbindlichkeiten des Vereins um 220 000 Mark verringern können.
 
Nachdem in den vergangenen Tagen die städtische Finanzspritze für die kurzfristig in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Bundesliga-Volleyballer des ASV Dachau auch beim TSV 1865 fleißig Diskussionsstoff lieferte, enthielt sich der 1865-Vorsitzende auf der Versammlung des Themas gänzlich. Er lobte vielmehr die Stadt und den OB für die Unterstützung, die auch der TSV 2001 reichlich erhalten habe: „Ohne das seit Jahrzehnten bestehende städtische Sportförderungsprogramm hätten die Dachauer Sportvereine keine Chance". Aber auch der Parkplatz sei zum Beispiel mit großem Aufwand von der Stadt saniert worden.

Piller rechnet Zuschüsse zusammen
 
Das bestätigte natürlich der OB in seinem Grußwort gerne, der der Versammlung vorrechnete, dass die Stadt dem TSV im Jahr 2001 insgesamt rund 228 000 Mark für verschiedene Maßnahmen und Zuschüsse zur Verfügung gestellt habe. Nicht zuletzt sei das auch sein eigener Verdienst gewesen, ließ der OB zwei Tage vor der Oberbürgermeister-Stichwahl in der Großen Kreisstadt durchblicken, „und ich biete Ihnen weiterhin ganz konkret meine großzügige Unterstützung an". Aussiedlung, Abteilungsberichte, Fusionsgespräche mit dem SS V waren weitere Themen, bevor es unter der Wahlleitung von Max Hufnagel, Egmar Meid und 2. Bürgermeisterin Katharina Ernst um die Neubesetzung der Vereinsführung ging. 
 
Dabei .gab es im Wesentlichen keine Änderungen, alle Posten wurden zudem einstimmig (85 Stimmberechtigte) gewählt; 1. Vorsitzender Richard Reisböck, 2. Vorsitzende Gabi Siegl, 3. Vorsitzender/Schatzmeister Michael Sers, Schriftführer Rudolf Kölbl, stellvertretende Schatzmeisterin Brigitte Höchstetter und Jugendreiterin Susanna Zagler. Referenten gibt es drei: Gerhard Doll (Öffentlichkeitsarbeit), Harald Franzkowiak (Sporthallen, Immobilien) und Gerold Eisele (Außenanlagen). Auch der Beirat, bestehend aus Helmut Erhorn, Gerd Flegel, Helmut Fuhrmann, Max Hufnagel, Josef Neumayer, Hans Rapp, Ludwig Rösch, Josef Wörl, Hermann Engelhardt, Werner Friedl und Herbert Ullmann wurde gewählt, hier wurden alle wieder berufen. Mit dem Baseballer Tim Stolzki kam ein neues Mitglied dazu.
 
Gerhard Doll
(Pressereferent)


 
Im Bild: die neugewählte Vereinsführung des TSV Dachau 1865 e.V.


Reisböck enttäuscht über Vorgehensweise - Fusionsgespräche mit SSV Dachau

Nicht unerwähnt lassen konnte 1865-Vorsitzender Richard Reisböck die Gespräche, die die Vorstände des TSV und des SSV Dachau-Ost in Sachen Fusion geführt haben. Auf der Jahreshauptversammlung des TSV 1865 Dachau (wir haben berichtet) äußerte sich Reisböck enttäuscht darüber, dass der Gesprächspartner erst diese Gespräche in die Wege geleitet habe, um dann plötzlich einen Rückzieher zu machen und „uns als interessierten Verein darzustellen". Damit sei natürlich ein Fusionsgedanke von vornherein gescheitert. Dennoch werde man sich mit den Verantwortlichen des SSV noch einmal zusammensetzen und das Ergebnis in einer Presseerklärung öffentlich machen. Reisböck betonte aber, dass der TSV seinen Weg auch allein gehen werde, das Interesse an einer Fusion sei in erster Linie von der anderen Seite gekommen.
Vorwärts geht beim Dachauer Traditionsverein etwas in Sachen Aussiedlung. Nach-
dem man sich lange mit dem Gedanken getragen habe, sei nun der Antrag offiziell bei der Stadt eingereicht worden und vom Bauausschuss auch positiv beschieden worden. Die wichtigsten Fragen, die in nächster Zeit zu klären seien, drehen sich um die Grundstücksverhandlungen und Verhandlungen mit den Schulaufwandsträgern, ohne die eine Turnhalle nicht gehalten werden könne. Dass man aussiedeln müsse, sei generell klar, denn die unmittelbare Nähe zur Bebauung, die ungenügende Verkehrserschließung und die Belästigungen für die Nachbarn würden geradezu zu dieser Maßnahme drängen. Reisböck: „Der Weg ist vernünftig, aber noch dornenreich".
Nicht glücklich ist Reisböck, wie die Sportstätten des TSV von so manchem Nutzer behandelt würden. „Was hier alles mutwillig kaputtgemacht wird, das geht teilweise nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut, und das müssen wir auch alles aus eigener Tasche bezahlen, dafür gibt es keine Zuschüsse". Mit den Sporthallen hat der Verein zuletzt wenig Glück gehabt, in der Jahnhalle blockierte der defekte Trennvorhang wochenlang Trainings- und Spielbetrieb, und dann wurde auch noch die Berufschulturnhalle kurz nach ihrer Wiederinbetriebnahme wieder gesperrt.
Neue Investitionen tätigt der Verein angesichts der Auswanderungspläne nicht mehr, dafür ist man seit kurzem nun auch im Internet vertreten Unter „www.tsv-dachau.de“ gibt es alles Wissenswerte rund um den TSV.
Und auch für die Nachfolge des scheidenden Wirtsehepaars Hans und Johanna Plötz ist schon gesorgt, ließ Reisböck wissen. Wer das sein, wird, wollte er noch nicht verraten, doch so viel schon: Die: Nachfolger würden für die gleiche Qualität stehen.