März 2006:  
 
Ein Verein auf Wanderschaft
1865 Dachau will bis 2010 umziehen - Gewaltiges Projekt


VON FLORIAN GÖTTLER
Quelle: Dachauer Nachrichten, 21.03.2006
 
Dachau - Der TSV Dachau 1865 zieht um. Das gab der wiedergewählte 1. Vorsitzende des Vereins, Richard Reisböck, auf der Mitgliederversammlung bekannt. Bis zum Jahr 2010 soll der Verein komplett auf dem Gebiet östlich der Theodor-Heuss-Straße angesiedelt werden. Die Sportanlagen an der Jahnstraße werden verkauft und sollen Wohnhäusern weichen.
 
Mit dem Verkaufserlös sollen die neuen Anlagen finanziert werden. Laut Reisböck will der TSV ein Stadion, vier Fußball-Trainingsplätze, ein Kleinfeld, eine Bogenschießanlage, ein Baseballfeld, eine Dreifachturnhalle sowie eine Einfachturnhalle auf dem neuen Gebiet bauen. Hinzu kommen eine Vereinsgast­stätte und ein Biergarten. Insgesamt rechnet Reisböck mit Kosten in Höhe von zwölf Millionen Euro.
 
Die für die Aussiedlung des Vereins benötigten Grundstücke werden den TSV voraussichtlich nichts kosten. Durch die so genannte sozialgerechte Bodennutzung soll zunächst die Stadt kostenlos Grund von den drei Eigentümern erwerben. Diese erhalten im Gegenzug für andere Flächen Baurecht. Die von der Stadt erworbenen Grundstücke sollen dann auf den Verein übertragen werden.
 
Man habe am Tag der Mitgliederversammlung noch einmal mit Oberbürgermeister Peter Bürgel gesprochen und das Konzept für die Aussiedlung vorgestellt, so Reisböck. Bürgel äußerte sich auf der Mitgliederversammlung dann auch positiv zu den Plänen: „Die Stadt unterstützt das Vorhaben. Die Planung ist interessant, es wird ein hochwertiges Sportgelände entstehen." Der Vereinsvorsitzende und der OB sind sich einig: An der bisherigen Stelle hat der TSV 1865 keine Zukunft mehr. Denn im Augustenfeld wird neben dem Schulzentrum auch ein großes Wohngebiet entstehen.
 
Sportanlagen zu klein, Wohnbebauung rückt näher
 
Bürgel: „Hier werden circa 6000 Menschen wohnen. Die Wohnbebauung wird immer näher rücken. Dadurch wird der Sportbetrieb aus Emissionsschutzgründen mehr und mehr beeinträchtigt."
 
Und eine Erweiterung der Sportanlagen an der Jahnstraße ist laut Vereinsjustiziar Jürgen Seidl unmöglich: „Die Auflagen wären: 400 Meter Abstand zur Wohnbebauung und nach 17 Uhr kein Sportbetrieb im Freien. Die Aussiedlung ist unumgänglich." Denn die Sportanlagen sind für den 2202 Mitglieder starken Verein - nach der Auflösung des SSV Dachau-Ost sind 430 Mitglieder zum TSV gewechselt - zu klein geworden. Schon jetzt findet der Jugendfußball auf dem Sportgelände in Dachau-Ost statt. Dort laufen die Verträge mit der Stadt im Jahr 2010 aus.
 
Zu diesem Zeitpunkt soll nach den Plänen Reisböcks der komplette Umzug abgeschlossen sein. Reisböck: „2006 ist das Planungsjahr, im Frühjahr 2007 beginnen wir mit dem Bauen." Zuerst werde die Dreifachturnhalle in Angriff genommen, um den Schulsport des ITG abzudecken.
 
Mit großer Mehrheit beauftragte die Versammlung den Vorstand, die nötigen Beschlüsse zu fassen und die Planungen voranzutreiben. Sieben Mitglieder stimmten dagegen, fünf enthielten sich.